*Hilfstransport nach Italien* oder *Wie ich Clara traf*

Zu allererst möchte ich noch etwas loswerden bezüglich Auslandstierschutz. Viele sind dafür, aber es gibt auch Stimmen die sich kritisch dagegen äußern. Ich weiß selbst das in unseren deutschen Tierheimen genügend Tiere sitzen die auf ein neues Zuhause warten und denen es oft nicht gut geht. Aber trotz allem ist das kein Vergleich mit ausländischen Tierheimen! In Deutschland müssen sie wenigstens nicht frieren oder Hunger leiden und sind medizinisch versorgt. Im Ausland ist das eher die Seltenheit als die Regel! Und deshalb helfe ich auch beim Auslandstierschutz mit und bitte alle Leute die einem Tier ein Zuhause schenken wollen: Schaut erst in den Tierheimen bevor Ihr zum Züchter oder in den Fachhandel geht! DAS ist viel wichtiger als die Frage wo man Leben rettet!

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Ich habe euch ja schon von meiner zweiten Heimat dem Tierrefugium Hanau erzählt.

Im März diesen Jahres durfte ich zum ersten Mal bei einem Hilfstransport nach Italien mitfahren.

Ich wollte mit eigenen Augen sehen wo mein Hund herkam und unter welchen Umständen er gelebt hat.

Rico wurde im Tierheim Salice Salentino geboren. Dieses Tierheim darf das Tierrefugium leider nicht mehr besuchen wegen haltlosen und unsinnigen Beschuldigungen, wie zum Beispiel das die Hunde für Tierversuche nach Deutschland gebracht werden. Rico würde Ihnen gern bestätigen dass das nicht der Fall ist! Aus Erzählungen weiß ich nur dass die Zustände dort wohl noch um einiges Schlimmer sind als in den Tierheimen die wir vor Ort besucht haben.

Mit dem Canile Campi Agora Ambiente arbeitet das Refugium schon viele Jahre zusammen und von dort haben wir auch wieder die 6 Hunde mitgenommen für ein neues Leben in Deutschland.

Nach einer 20ig Stündigen fahrt in den Süden Italiens besuchten wir gleich das Canile Campi. In mir herrschte eine unheimliche Anspannung und auch Neugierde! Wir hielten vor dem abseits gelegenen Grundstück mit einem weiten Zaun und einem großen eisernen Schiebetor. Uns begrüßte eine kleine Gruppe bellender Hunde. Wie ich später erfuhr hat diese kleine Gruppe das große Glück sich frei auf dem Gelände zu bewegen und dort in einem kleinen Haus (was man fast gar nicht so nennen darf) schlafen zu dürfen.

Wir waren allerdings viel zu früh dran und so fuhren wir erst einmal zu dem Ferienhaus um uns etwas von der langen anstrengenden Fahrt zu erholen.

Mittags war es dann so weit, wir statteten Campi einen ersten kurzen Besuch ab.

Der erste Weg führte uns zu dem kleinen Häuschen und wir wurden mit den Leuten bekannt gemacht die in Campi die Hunde versorgen. Aus Geschichten weiß ich das es in Tierheimen – sei es Ausland oder Deutschland – viele schwarze Schafe gibt was Pfleger betrifft. Ich hatte das Glück die seltene Sorte Mensch zu treffen denen das Wohl der Tiere wirklich am Herzen liegt und nicht nur an den Profit denken. Man merkt dass den Menschen im Canile Campi die Hunde wirklich etwas bedeuten und sie gut behandeln.

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Im und um das Häuschen lernte ich die ersten Hunde kennen. Wir wurden zwar erstmal misstrauisch beäugt und angebellt aber die Grundstimmung der Hunde war im allgemeinen sehr freundlich und man wurde schon bald neugierig beschnuppert und zum streicheln aufgefordert.

Nach der Begrüßung und einem italienischen Kaffee gingen wir endlich zu den Zwingern und ich konnte mir ein erstes richtiges Bild von den Umständen machen.

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Wie man auf dem Foto sieht sind die Zäune von den Zwingern überall kaputt! Die Hunde verletzten sich daran oder brechen aus, was zu Todesfällen führen kann, wenn sie auf Hunde treffen die sich auf dem Gelände frei bewegen. Ich und Clara haben es selbst erlebt an dem Tag als ich sie mit nach Hause nehmen durfte. Eine Hündin ist aus ihrem Zwinger ausgebrochen und stürmte auf Clara zu. Sie stürzte und konnte sich entkräftet wie sie war gar nicht gegen die stürmische Hündin wehren. Zum Glück ging alles Gut und die Hündin wurde schnell wieder eingefangen.

Mittlerweile hat das Tierrefugium viele Spenden gesammelt und die Zäune werden gerade erneuert!

Leider besteht weiterhin das Problem das die Zwinger vor sich hin schimmeln. Im Sommer wie Winter werden die Zwinger aus Zeitmangel mit Wasser ausgespritzt, für diese kurze Zeit dürfen die Hunde sich frei auf dem Gelände bewegen (die andere Gruppe ist dann im Haus). So haben sie wenigstens ein paar Minuten Freilauf am Tag. Das ist aber nicht die Regel wie ich erfahren habe. In vielen Tierheimen werden die Hunde einfach mit einem Wasserstrahl in eine Ecke getrieben bevor dann der Zwinger ausgespritzt wird.

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Nach dem ersten Eindruck führte uns der Weg zu Emma. Sie braucht spezielles Gastro Futter, da sie normales Futter nicht richtig verwerten kann. Man sieht auf dem Foto wie abgemagert sie ist. Spezial Futter ist in Italien noch teurer als bei uns in Deutschland und schwer zu bekommen. Wir versuchten in einem Fachgeschäft welches zu kaufen und kamen mit einer kleinen Dose Nassfutter aus dem Laden. Eine ehemalige Mitarbeiterin organisierte zum Schluss aber noch zwei große Beutel Trockenfutter die wir dann spendeten. Emma ist weiterhin in Behandlung.Italien

Der Weg ging weiter und ich traf auf Giorgio. Er saß allein in einem Zwinger in dessen Tür ein großes Loch klaffte. Er wurde wohl gemobbt und war deshalb allein in seinem Zwinger.

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Er winselte und quetschte sich mit seinem Kopf durch dieses Loch weil er sich so freute einen Menschen zu sehen und auf ein bisschen Liebe hoffte. Ich streichelte Ihn noch oft in der kurzen Zeit wo ich dort war. Und jedes Mal brach es mir das Herz weil er herzzerreißend winselte und weinte wenn ich fort ging. Mittlerweile lebt er wieder mit anderen Hunden in einem Zwinger und ist wenigstens nicht mehr ganz so allein!

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Ein paar Zwinger weiter traf ich auf Massimo. Ein bildschöner Rüde der aber leider Leishmaniose hat. Das ist eine Mittelmeerkrankheit die durch Mücken übertragen wird und unter der leider viele Hunde im Süden leiden. Es gibt verschiedene Stadien und eine innere und eine äußere Leishmaniose. Die äußere Leishmaniose zeigt sich unter anderem an den Augen und Ohrspitzen die vergrinten und einem unnormal schnellen Krallenwuchs. Die innere Leishmaniose befällt die Organe. Diese Krankheit kann tödlich enden, ABER man kann sie je nach Stadium gut mit Medikamenten behandeln. Wodurch die Symptome auch zurück gehen können und sie noch viele glückliche Jahre problemlos Leben können! (Seine Freundin auf dem Foto hat übrigens schon den Weg nach Deutschland gefunden durch eine befreundete Tierschutzorganisation in der Nähe von Stuttgart: Tierherberge Donzdorf)

Weiter ging der lange Weg und er führte mich zu Clara! Ich sah sie dort, wie sie auf dem Boden lag und zu mir hochblickte und das erste was ich dachte: Das ist ein trauriger Hund! Dieser Blick von Ihr traf mich ganz tief! Ich habe auf meinem Weg durch die Zwinger viele Hunde gesehen denen es nicht gut ging körperlich wie seelisch. Aber bei keinem traf es mich so wie bei ihr, sie hatte einfach aufgegeben hatte ich das Gefühl. Und das zeigte sich auch später als die Hunde für den Transport nach Stuttgart fertig gemacht wurden. Alle Hunde im Tierheim waren voller Aufregung, sie bellten, drückten sich gegen die Zäune und rannten in ihrem Zwinger hin und her. Nur Clara nicht. Sie hatte sich in ihre Hütte zurückgezogen.

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Der Weg ging aber erstmal weiter und ich sah noch viele Gesichter die sich in mein Herz gebrannt haben. Während unseres Aufenthalts besuchten wir noch zwei weitere Tierheime in der Gegend.

Das Tierheim Canile Comunale di Trepuzzi und das Canile Sanitario di Lecce. Trepuzzi ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Denn dort verlor ich mein Herz wie viel zu oft während diesem Besuchs, aber manche bleiben einem einfach mehr im Gedächtnis und das Herz hängt besonders an ihnen.

So erging es mir mit diesen Zwei:

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Ich war sofort verliebt, er drückte sich an die Gitter und war so glücklich über die Streicheleinheiten. Es viel mir schwer weiter zu gehen. Aber auch wenn ich damals schon im Hinterkopf hatte eine Seele mit nach Hause zu nehmen ist es doch schwer, da nicht sicher ist wie der Hund auf Katzen reagiert. Und so auch bei ihm. Wenn er sich nicht mit unseren Katzen verstehen würde, wäre es eine Katastrophe gewesen. Aber er hat bis heute ein Platz in meinem Herzen und ich hoffe das er bald ein Zuhause findet.

Genauso geht es mir mit diesem alten Cane Corso Rüden, auch aus Trepuzzi. Er ist um die zehn und leider kenne ich seinen Namen nicht. Ich weiß nur das er mit einem schlimmen Milbenbefall und total abgemagert in Trepuzzi gelandet ist. Er erinnerte mich an einen großen gutmütigen Teddybär. Trotz seine Rasse und Masse ließ er sich von den anderen vom Zaun vertreiben und gab einfach nach.

Ich denke noch oft an ihn!

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Man darf bei dem ganzen aber auch nicht die Straßenhunde und Katzen vergessen. Auch davon sahen wir viele! Wir fütterten Sie und eine Hündin nahm Campi auch auf, die wir dort auf der Straße fanden. Sie war in einem fürchterlichen Zustand. Total abgemagert und das Ohr halb abgefault und ganz benommen. Mittlerweile wurde sie ärztlich behandelt und es geht ihr schon viel besser.

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Es gibt noch so vieles über das ich von dieser Italien Reise berichten könnte, aber dafür gibt es nicht genügend Seiten. Ich will euch aber noch erzählen wie es dazu kam das ich Clara ein Zuhause schenkte.

Wie schon gesagt war der Wunsch da einen Hund mit nach Deutschland zu bringen, aber das Problem mit der Katzenverträglichkeit bestand nach wievor. Darüber das der Hund sich nicht mit Rico verstehen könnte, machte ich mir keine großen Sorge. Über die Verträglichkeit kann man schon vor Ort meistens eine gute Abschätzung abgeben, meistens leben sie ja auch zu mehreren in einem Zwinger. Mir blieb also nur die Wahl zwischen einem sehr jungen Hund oder einem bei dem die Wahrscheinlichkeit sehr groß war. Ich fand beides, eine wilde etwa 10 Monate alte Hündin Namens Lilly und von Clara wusste ich das sie einmal in einem Haushalt lebte in dem es Hühner und auch Katzen geben haben soll. Dort lebt sie übrigens nicht mehr, da sie dort als Wachhund gehalten wurde, aber als dort eingebrochen wurde sind sie und ihr Kumpan geflohen. Und so landeten beide wieder in Campi. Clara ging es in Campi immer schlechter, mir wurde erzählt das sie noch vor 1 1/2 Jahren viel lebendiger und fitter war, eben ein ganz anderer Hund. Ich habe Bilder gesehen und muss sagen es stimmt! Ich wusste nicht was sie hat, vielleicht Leishmaniose oder etwas anderes. Ich wusste nur es würde eine große Baustelle sein.

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Jetzt hatte ich also die Wahl zwischen Pest und Cholera wie eine Freundin so schön zu mir sagte. Nehme ich Clara mit die die nächsten Monate bestimmt nicht mehr überlebte und schickte somit Lilly auf ihren Platz oder lasse ich Clara zurück und schenke Lilly ein langes schönes Leben in Deutschland.

In meinem Hinterkopf rumorte es schon lange das ich gerne einem alten Hund noch einen schönen Lebensabend schenken wollte, gleichzeitig wünschte ich mir aber auch einen Spielkameraden für Rico.

Als ich dann zu Clara in den Zwinger durfte und sie dort liegen sah und wie sie mich anschaute, war die Wahl dann getroffen. Ich sagte wenn wir Papiere für sie bekommen nehme ich sie mit! Und das ging dann alles sehr schnell. Wir fuhren sofort zum Amtstierarzt und so aufgeregt war ich schon lange nicht mehr. Ich zitterte richtig als mir die Papiere für sie ausgestellt wurden.

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An dem Abend vor unserer Heimreise durfte sie schon mit uns ins Haus kommen. Sie schlief bei mir und meiner Freundin im Bett. Uns war etwas mulmig zu Mute schließlich kannten wir sie nicht und nun lag da ein Hund der ständig vor sich hinbrummte. Wir wussten nicht gefällt es ihr oder will sie einfach ihre Ruhe? Mittlerweile weiß ich das dieses Brummen ein Kommunikationsweg von ihr ist. Das habe ich auch so noch bei keinem Hund erlebt…

Und so kam es das Clara bei der 20stündigen Rückfahrt auf der Rückbank lag und sich nicht einmal raus bewegte um pinkeln zu gehen oder etwas zu trinken oder zu essen.

Jetzt lebt sie bei uns Zuhause in Deutschland.

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Wie sich herausstellte hatte sie Herzwürmer, ebenfalls eine Mittelmeerkrankheit und das Cauda Equina Syndrom. Bei dem die Nervenenden im Rücken durch Verkalkungen eingequetscht werden. Die Herzwürmer haben wir behandelt und sie hat es zum Glück gut überstanden. Um Ihren Rücken werden wir uns jetzt auch noch kümmern, sie bekommt schon Physio und bald wird noch ein CT gemacht. Mehr darüber werde ich euch bestimmt noch berichten.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in die große Welt des Auslandstierschutz gewähren und ihr könnt euch so ein besseres Bild machen!

Beim nächsten Transport werde ich aufjedenfall wieder dabei sein!

Blogunterschrift

5 Gedanken zu “*Hilfstransport nach Italien* oder *Wie ich Clara traf*

  1. Christina schreibt:

    Es ist großartig, dass du Clara ein neues Leben geschenkt hast! Danke für deinen tollen Bericht. Ich kann deine Beweggründe gut nachempfinden, ein altes und krankes Tier aufzunehmen ist eine sehr emotionale Entscheidung. Man bekommt soviel Liebe und Dankbarkeit zurück…

    Gefällt 1 Person

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